Stromversorgung · Veranstaltungsplanung · Infrastruktur · technische Planung

Wie entsteht ein Stromkonzept für eine temporäre Veranstaltung?

Bei einer Veranstaltung reicht es nicht, einzelne Geräte an vorhandene Steckdosen anzuschließen und darauf zu hoffen, dass die Stromversorgung ausreicht.
Sobald mehrere technische Systeme, Catering, Beleuchtung oder unterschiedliche Veranstaltungsbereiche zusammenkommen, wird aus der einfachen Stromnutzung eine Planungsaufgabe.
Ein professionelles Stromkonzept beginnt deshalb nicht mit Verteilern oder Kabeln.
Es beginnt mit der Frage:
Welche Verbraucher müssen wann, wo und unter welchen Bedingungen sicher versorgt werden?

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Stromkonzept entsteht aus dem tatsächlichen Bedarf der Veranstaltung – nicht aus der Anzahl vorhandener Steckdosen.
  • Zuerst werden Verbraucher, Anschlussleistungen, Einsatzorte und Nutzungszeiten erfasst.
  • Danach wird geprüft, welche vorhandenen Anschlüsse und Stromkreise zur Verfügung stehen.
  • Verbraucher können je nach Bedarf auf unterschiedliche Versorgungsbereiche verteilt werden.
  • Leitungslängen, Einsatzort, Wettereinflüsse und Schutzmaßnahmen gehören ebenfalls zur Planung.
  • Änderungen an bestehenden elektrischen Anlagen oder deren fachliche Bewertung gehören in die Hände entsprechend qualifizierter Personen.

 

 

In diesem Artikel

  • Was ein Stromkonzept überhaupt ist
  • Warum die Verbraucheraufnahme am Anfang steht
  • Anschlussleistung und tatsächlicher Bedarf
  • Gleichzeitig betriebene Verbraucher
  • räumliche Stromverteilung
  • getrennte Versorgungsbereiche
  • Leitungslängen und Spannungsfall
  • Outdoor- und Umgebungsbedingungen
  • Reserven
  • Schnittstellen zu anderen Gewerken
  • Dokumentation und Prüfung
  • was wir öffentlich zeigen – und was Teil unserer Projektplanung bleibt

 

 

Was ist ein Stromkonzept bei einer Veranstaltung?

Ein Stromkonzept beschreibt vereinfacht, wie die benötigten elektrischen Verbraucher einer Veranstaltung versorgt werden sollen.
Dazu gehören unter anderem:
  • vorhandene Einspeisepunkte
  • benötigte Leistung
  • Verteilung auf verschiedene Bereiche
  • Leitungswege
  • eingesetzte Verteiler
  • Schutzmaßnahmen
  • Anschlussstellen für einzelne Gewerke
  • mögliche Reserven
Das Stromkonzept ist damit mehr als eine Kabelliste.
Es verbindet die vorhandene elektrische Infrastruktur mit dem tatsächlichen Bedarf der Veranstaltung.
 

Schritt 1: Welche Verbraucher gibt es überhaupt?

Am Anfang steht die Verbraucheraufnahme.
Dazu werden die Geräte und Systeme erfasst, die während der Veranstaltung Strom benötigen.
Das können beispielsweise sein:
  • Beschallung
  • Lichttechnik
  • LED- oder Präsentationstechnik
  • DJ-Technik
  • Bühnen- oder Regietechnik
  • Cateringgeräte
  • Kühlung
  • Bartechnik
  • Arbeitsbeleuchtung
  • Außenbeleuchtung
  • weitere Dienstleister
Wichtig ist dabei nicht nur die Bezeichnung eines Geräts.
 
Interessant sind insbesondere:
  • Anschlussart
  • Leistungsaufnahme
  • Einsatzort
  • Nutzungsdauer
  • mögliche Gleichzeitigkeit mit anderen Verbrauchern
Erst wenn diese Informationen bekannt sind, lässt sich sinnvoll weiterplanen.

 

Warum eine reine Watt-Summe nicht ausreicht

Eine häufige Vorstellung ist:
Alle Leistungen addieren = benötigte Stromversorgung.
So einfach ist es in der Praxis nicht immer.
Denn nicht jeder Verbraucher läuft permanent mit seiner maximalen Leistungsaufnahme.
Andere Geräte können dagegen über längere Zeit sehr konstant betrieben werden.
Wieder andere Verbraucher haben besondere Einschalt- oder Betriebszustände.
Deshalb ist neben den Anschlusswerten auch relevant:
Welche Verbraucher sind tatsächlich gleichzeitig aktiv?
Das wird häufig als Betrachtung der Gleichzeitigkeit bezeichnet.

 

Beispiel: 20 kW angeschlossene Leistung bedeuten nicht automatisch 20 kW Dauerlast

Angenommen, auf einer Veranstaltung sind verschiedene Verbraucher mit einer addierten Anschlussleistung von 20 kW vorgesehen.
Das bedeutet zunächst nur:
Wenn alle Geräte gleichzeitig unter den jeweiligen Maximalbedingungen betrieben würden, könnte diese Summe entstehen.
In der Praxis laufen manche Verbraucher möglicherweise nur zeitweise.
Andere dagegen dauerhaft.
Deshalb sollte nicht einfach mit einer beliebigen Pauschalreserve gerechnet werden.
Die Nutzungsweise der Geräte muss verstanden werden.

 

 

Schritt 2: Welche Stromversorgung ist vorhanden?

Nach der Verbraucheraufnahme folgt die Bestandsaufnahme am Veranstaltungsort.
Zu klären sind beispielsweise:
  • Welche Anschlüsse sind vorhanden?
  • Welche Spannung und Anschlussgröße steht zur Verfügung?
  • Wo befinden sich die Anschlüsse?
  • Welche Absicherung ist vorhanden?
  • Welche Bereiche hängen zusammen?
  • Welche Verbraucher sind bereits fest angeschlossen?
  • Welche Schutzmaßnahmen sind vorhanden?
Dabei gilt:
Eine sichtbare Steckdose beantwortet nur einen kleinen Teil dieser Fragen.
Gerade bei komplexeren Veranstaltungen kann eine fachliche Prüfung der vorhandenen Installation erforderlich sein.

 

 

Schritt 3: Wo wird der Strom benötigt?

Der nächste wichtige Punkt ist die räumliche Planung.
Eine Veranstaltung kann beispielsweise mehrere Bereiche haben:
  • Bühne
  • FOH
  • Catering
  • Bar
  • Außenbereich
  • Eingang
  • Lounge
  • Backstage
  • Zelt
  • Präsentationsbereich
Ein vorhandener Einspeisepunkt an einer Gebäudeseite hilft wenig, wenn Verbraucher 80 Meter entfernt betrieben werden sollen.
Deshalb wird geprüft:
  • welche Leitungslängen entstehen
  • wo Verteiler sinnvoll positioniert werden
  • welche Bereiche gemeinsam oder getrennt versorgt werden
  • wie Kabelwege geführt werden können

 

Warum die räumliche Aufteilung so wichtig ist

Stromplanung ist nicht nur Leistungsplanung.
Sie ist auch Infrastrukturplanung.
Ein ungünstig positionierter Verteiler kann beispielsweise dazu führen, dass:
  • lange Kabelwege entstehen
  • Wege der Gäste gekreuzt werden
  • zusätzliche Kabelbrücken benötigt werden
  • Arbeitsbereiche eingeschränkt werden
  • Auf- und Abbau aufwendiger wird
Deshalb kann eine gute Stromplanung auch logistische Vorteile bringen.

 

 

Schritt 4: Verbraucher sinnvoll aufteilen

Je nach Veranstaltung kann es sinnvoll sein, verschiedene Verbrauchergruppen getrennt zu versorgen.
Beispielsweise:
Ton
Licht
Video
Catering
Kühlung
Arbeitsbereiche
Außenbeleuchtung
Das bedeutet nicht, dass für jeden Bereich zwangsläufig eine vollständig unabhängige Versorgung erforderlich ist.
Die Trennung kann aber dabei helfen, Lasten sinnvoll zu verteilen und Abhängigkeiten zu reduzieren.

 

Warum Abhängigkeiten wichtig sind

Angenommen:
Cateringgerät, Kaffeemaschine und Tonanlage hängen am gleichen Stromkreis.
Kommt es dort zu einer Abschaltung, fällt möglicherweise gleichzeitig auch die Beschallung aus.
Eine durchdachte Verteilung kann verhindern, dass ein einzelner Fehler unnötig viele Bereiche betrifft.
Das Ziel lautet also nicht nur:
„Es funktioniert.“
Sondern:
„Es funktioniert möglichst nachvollziehbar und robust.“

 

 

Schritt 5: Leitungslängen berücksichtigen

Je länger eine Leitung wird, desto wichtiger werden technische Faktoren wie:
  • Leitungsquerschnitt
  • Belastbarkeit
  • Verlegeart
  • Spannungsfall
  • mechanische Beanspruchung
Besonders auf großen Veranstaltungsflächen können erhebliche Entfernungen entstehen.
Deshalb sollte nicht einfach beliebig eine Verlängerung nach der anderen angeschlossen werden.
Die Leitungswege müssen zur vorgesehenen Nutzung passen.

 

Was bedeutet Spannungsfall?

Elektrische Leitungen besitzen einen elektrischen Widerstand.
Je länger eine Leitung ist und je höher der Strom, desto stärker kann die Spannung am Leitungsende sinken.
Dieser Effekt wird als Spannungsfall bezeichnet.
Bei längeren Leitungswegen sollte deshalb unter anderem geprüft werden, ob:
  • der eingesetzte Leitungsquerschnitt geeignet ist
  • die Leitungslänge zur Belastung passt
  • Verbraucher am Leitungsende zuverlässig betrieben werden können
Die konkrete elektrotechnische Bewertung gehört dabei in entsprechend qualifizierte Hände.

 

 

Schritt 6: Umgebungsbedingungen berücksichtigen

Eine Stromverteilung in einer trockenen Halle stellt andere Anforderungen als eine temporäre Installation auf einer Wiese.
Je nach Veranstaltungsort können relevant sein:
  • Feuchtigkeit
  • Regen
  • Staub
  • mechanische Belastung
  • Fahrzeuge
  • Gästeverkehr
  • Temperatur
  • Untergrund
Deshalb sollten Kabel, Verteiler und elektrische Betriebsmittel für die jeweiligen Einsatzbedingungen geeignet sein.

 

Kabelwege sind Teil des Stromkonzepts

Eine elektrische Verbindung kann fachlich korrekt sein und trotzdem an einem ungünstigen Ort liegen.
Zum Beispiel mitten in einem stark genutzten Gästeweg.
Deshalb gehören auch Fragen wie diese zur Planung:
  • Wo laufen Gäste?
  • Wo fahren Fahrzeuge?
  • Wo arbeitet Catering?
  • Wo werden Türen genutzt?
  • Welche Flächen müssen frei bleiben?
  • Wo können Kabelbrücken eingesetzt werden?
Ein Stromkonzept sollte also nicht isoliert von der Veranstaltungsfläche geplant werden.

 

 

Schritt 7: Reserven sinnvoll einplanen

Veranstaltungen verändern sich.
Kurzfristig können beispielsweise hinzukommen:
  • zusätzliche Kühlschränke
  • weitere Beleuchtung
  • ein zusätzlicher Bildschirm
  • zusätzliche Cateringgeräte
  • weitere technische Verbraucher
Deshalb kann es sinnvoll sein, eine angemessene Reserve zu berücksichtigen.
Wichtig ist aber:
Reserve bedeutet nicht, pauschal beliebig viel Leistung vorzuhalten.
Sie sollte sich aus dem realistischen möglichen Bedarf ergeben.

 

 

Schritt 8: Schnittstellen definieren

Bei größeren Veranstaltungen gibt es häufig mehrere Beteiligte.
Beispielsweise:
  • Location
  • Veranstaltungstechnik
  • Catering
  • DJ
  • Band
  • Messebau
  • weitere Dienstleister
Dann sollte klar festgelegt werden:
Wer bekommt welchen Anschluss wo bereitgestellt?
Das verhindert Situationen wie:
„Wir dachten, das Catering bringt seinen eigenen Verteiler.“
oder:
„Der DJ dachte, am Bühnenbereich liegt bereits CEE.“
Solche Missverständnisse sind typische Schnittstellenprobleme.

 

So arbeiten wir bei betreuten Projekten

Bei umfangreicheren Veranstaltungen erfassen wir die relevanten elektrischen Verbraucher projektbezogen und ordnen sie den jeweiligen Veranstaltungsbereichen und Gewerken zu.
Dafür verwenden wir je nach Projekt eigene Strom- und Verbraucherabfragen sowie technische Verteilerplanungen.
Darin können unter anderem berücksichtigt werden:
  • Verbraucher
  • Anschlusswerte
  • Versorgungsbereiche
  • Einspeisepunkte
  • Verteilungen
  • Leitungswege
  • Schnittstellen
  • Reserven
Diese detaillierten Planungsunterlagen stellen wir nicht öffentlich als Download zur Verfügung.
Sie sind Bestandteil unserer Projektarbeit und stehen unseren Kunden im Rahmen der technischen Planung zur Verfügung.

 

 

Schritt 9: Schutzmaßnahmen und Prüfung

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen für ihren vorgesehenen Einsatz geeignet sein.
Bei temporären Veranstaltungsinstallationen spielen daher unter anderem elektrische Schutzmaßnahmen und Prüfungen eine wichtige Rolle.
Die konkrete Beurteilung hängt vom jeweiligen Aufbau und der vorhandenen elektrischen Anlage ab.
Arbeiten an elektrischen Anlagen beziehungsweise deren fachliche Bewertung gehören zu entsprechend qualifizierten Personen.
Für Veranstalter bedeutet das vor allem:
Nicht improvisieren, wenn die vorhandene Versorgung nicht zum geplanten Bedarf passt.

 

Warum Stromplanung auch Auswirkungen auf andere Gewerke hat

Ein gutes Stromkonzept kann weitere Bereiche der Veranstaltung beeinflussen.
Zum Beispiel:
Catering
Der Standort kann davon abhängen, wo ausreichend Versorgung vorhanden ist.
Bühne
Technik benötigt definierte Einspeisepunkte.
FOH
Lange Signal- und Stromwege sollten sinnvoll geplant werden.
Beleuchtung
Verteilerpositionen können die Kabelwege erheblich reduzieren.
Outdoor-Bereiche
Wetterschutz und geeignete Leitungswege werden relevant.
Stromplanung ist deshalb häufig Teil der gesamten technischen Infrastrukturplanung.

 

Beispiel: temporäre Veranstaltung mit mehreren Bereichen

Angenommen, eine Veranstaltung umfasst:
Bühne
Ton, Licht und Video.
Catering
Kühlung und elektrische Geräte.
Außenbereich
Beleuchtung.
FOH
Misch- und Steuerungstechnik.
Backstage
Arbeitslicht und kleinere Verbraucher.
Eine einfache Gesamtsumme aller Wattzahlen wäre zwar eine erste Information.
Ein Stromkonzept beantwortet zusätzlich:
  • Welche Einspeisung wird genutzt?
  • Welche Bereiche werden getrennt?
  • Wo stehen Verteiler?
  • Welche Leitungswege entstehen?
  • Welche Verbraucher hängen zusammen?
  • Welche Reserven sind sinnvoll?
Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer Verbraucherliste und einem tatsächlichen Versorgungskonzept.

 

 

Häufige Fehler bei der Stromplanung

Erst beim Aufbau nach Strom fragen
Dann ist kaum noch Zeit, strukturelle Probleme sinnvoll zu lösen.
Nur die Anschlussleistung addieren
Die tatsächliche Nutzung und Gleichzeitigkeit müssen ebenfalls betrachtet werden.
Steckdosen mit Stromkreisen gleichsetzen
Mehrere Steckdosen können an derselben Versorgung hängen.
Leitungslängen unterschätzen
Bei großen Flächen können lange Leitungswege technisch relevant werden.
Gewerke unabhängig voneinander planen
Catering und Veranstaltungstechnik nutzen oft dieselbe Infrastruktur.
Keine Reserven berücksichtigen
Kleine Änderungen können dann die gesamte Verteilung verändern.
Kabelwege nur nach der kürzesten Strecke auswählen
Gäste, Fahrzeuge und Arbeitsbereiche müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

 

 

Wann ist ein detailliertes Stromkonzept überhaupt nötig?

Nicht jede Veranstaltung benötigt eine umfangreiche Stromplanung.
Für eine kleine Feier mit wenigen Geräten und klar vorhandener Stromversorgung kann eine einfache Materialmiete vollkommen ausreichend sein.
Je umfangreicher jedoch folgende Punkte werden, desto relevanter wird eine strukturierte Planung:
  • Anzahl der Verbraucher
  • Anschlussleistung
  • mehrere Gewerke
  • große Veranstaltungsflächen
  • lange Leitungswege
  • Outdoor-Bereiche
  • temporäre Verteilungen
  • hohe betriebliche Bedeutung einzelner Systeme
Dann sollte Strom nicht mehr als Nebenthema behandelt werden.

 

 

Unser Ansatz: vom Verbraucher zur Versorgung

Bei betreuten Veranstaltungen beginnen wir nicht mit:
„Welche Verteiler haben wir im Lager?“
Sondern:
„Welche Verbraucher müssen unter welchen Bedingungen versorgt werden?“
Daraus entsteht Schritt für Schritt die technische Lösung:
Verbraucher → Bedarf → Einspeisung → Verteilung → Leitungswege → Anschlusspunkte
Die genaue Umsetzung hängt vom jeweiligen Veranstaltungsort und Projekt ab.
Unsere detaillierten Strom- und Verbraucherunterlagen sind Teil dieser Projektplanung und werden nicht als vollständige öffentliche Checkliste bereitgestellt.

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